Friedrichstraße 6
Ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in Blomberg
Diese Seite widmet sich umfassend der wissenschaftlichen Dokumentation, Erforschung und Vermittlung des denkmalgeschützten Gebäudes Friedrichstraße 6 in Blomberg. Sie bietet einen tiefen Einblick in die Baugeschichte, die architektonischen Besonderheiten, die stadtgeschichtliche Einordnung und die Bedeutung dieses einzigartigen Baudenkmals für Forschung, Bildung und das kulturelle Erbe der Region Ostwestfalen-Lippe.
Das Denkmal Friedrichstraße 6 – Ein Fenster in die Geschichte
Die Friedrichstraße 6 in Blomberg ist weit mehr als ein einfaches Fachwerkhaus – sie ist ein lebendiges Zeugnis der Bau-, Sozial- und Stadtgeschichte Ostwestfalen-Lippes. Als denkmalgeschütztes Gebäude vereint sie in sich die Spuren von Jahrhunderten, die Geschichten ihrer Bewohner, die Entwicklung der Stadt und die Veränderungen der Baukunst. In ihrer Vielschichtigkeit eröffnet sie einen faszinierenden Zugang zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region.
Architektur und Baugeschichte: Das Gebäude wurde im Jahr 1654 errichtet und ist ein typisches Beispiel für die ländlich-städtische Fachwerkarchitektur des 17. Jahrhunderts. Die traufständige, zweigeschossige Bauweise mit Satteldach, die charakteristischen profilierten Balkenköpfe und das markante Giebeldreieck mit vorkragender Firstspitze zeugen von handwerklicher Präzision und regionaler Bautradition. Die Konstruktion als Dreiständerbau auf Quadersockel, die Verwendung von Lehmsteinen in den Gefachen und die massive Ausführung der Giebelfassaden spiegeln die Anpassung an klimatische, wirtschaftliche und soziale Bedingungen wider. Die erhaltenen historischen Raumstrukturen, die Bruchsteinkeller mit Holzbalkendecke und die aufwändige Dachkonstruktion mit Eichenholz und Weichholz zeigen die hohe Qualität des Bauhandwerks jener Zeit.
Handwerk und Materialien: Die Mischbauweise aus massivem Mauerwerk und Fachwerk, die Verwendung von Naturbruchstein im Keller, Holzbalkendecken, Stahlträgern mit Kappengewölbe und die charakteristische Fachwerkfassade mit Putzfeldern auf Natursteinsockel sind Ausdruck einer Baukultur, die auf Langlebigkeit, Funktionalität und Ästhetik gleichermaßen Wert legte. Die Dachdeckung mit Hohlziegeln, die Regenentwässerung über Zinkblech und die sorgfältig ausgeführten Details wie Schwelle-Ständer-Fußstreben oder die profilierten Füllhölzer im Giebeldreieck machen das Gebäude zu einem Musterbeispiel für die Baukunst des 17. und 18. Jahrhunderts in der Region.
Sozial- und Nutzungsgeschichte: Die Geschichte der Friedrichstraße 6 ist eng mit der Entwicklung Blombergs als ländliche Kleinstadt verbunden. Ursprünglich als Bauernhaus und Stadtschäferei errichtet, diente das Gebäude über Jahrhunderte hinweg als Wohn- und Arbeitsstätte für Generationen von Familien, Handwerkern und Landwirten. Die Nutzung als Schäferei, die Einbindung in die städtische Landwirtschaft und die spätere Umnutzung als Wohnhaus spiegeln die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen der Stadt wider. Die Geschichte des Hauses ist zugleich die Geschichte der Menschen, die hier lebten, arbeiteten und ihre Spuren hinterließen.
Denkmalpflege und rechtlicher Rahmen: Die Aufnahme in die Denkmalliste der Stadt Blomberg am 25.11.2002 und die Eintragung als Flügge'sches Gebäude (Bauernhaus und Schafscheune) am 1.9.1989 unterstreichen die herausragende Bedeutung des Hauses für die Bau- und Sozialgeschichte der Region. Die rechtlichen Grundlagen des Denkmalschutzes in Nordrhein-Westfalen (§ 2 DSchG NRW) verpflichten zur Erhaltung, Pflege und wissenschaftlichen Erforschung des Gebäudes. Die Denkmalpflege versteht sich dabei nicht nur als Bewahrung der Substanz, sondern auch als aktive Vermittlung von Wissen, Geschichte und kultureller Identität.
Bedeutung für Forschung und Bildung: Die Friedrichstraße 6 ist ein einzigartiges Forschungsobjekt für Architekten, Historiker, Bauforscher, Sozialwissenschaftler und alle, die sich für die Entwicklung ländlicher Baukultur interessieren. Sie bietet Einblicke in Bauweisen, Materialien, handwerkliche Techniken, soziale Strukturen und die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land. Für die Bildung ist das Gebäude ein anschauliches Beispiel für die Vermittlung von Geschichte, Architektur und Denkmalpflege – sei es im Rahmen von Führungen, Projekten, wissenschaftlichen Arbeiten oder als außerschulischer Lernort.
Ästhetik und Identität: Über ihre wissenschaftliche und historische Bedeutung hinaus ist die Friedrichstraße 6 ein prägendes Element des Stadtbildes von Blomberg. Die harmonische Einfügung in die Altstadt, die charakteristische Silhouette, die handwerklichen Details und die Patina der Jahrhunderte verleihen dem Gebäude eine besondere Ausstrahlung. Es ist ein Ort, der Identität stiftet, Erinnerungen bewahrt und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar macht.
Das Denkmal als lebendiger Ort: Heute steht die Friedrichstraße 6 nicht nur unter Schutz, sondern ist auch ein lebendiger Ort der Begegnung, der Forschung und der Vermittlung. Sie lädt dazu ein, die Geschichte Blombergs und der Region zu entdecken, die Baukunst vergangener Jahrhunderte zu bestaunen und die Bedeutung des kulturellen Erbes für die Gegenwart und Zukunft zu reflektieren. Die kontinuierliche Pflege, Erforschung und behutsame Nutzung des Gebäudes sind zentrale Aufgaben, um dieses wertvolle Zeugnis der Bau- und Sozialgeschichte für kommende Generationen zu bewahren.
Fazit: Die Friedrichstraße 6 ist weit mehr als ein altes Haus – sie ist ein Fenster in die Geschichte, ein Ort der Wissenschaft, der Bildung und der kulturellen Identität. Ihre Erhaltung und Erforschung sind ein Gewinn für die Stadt Blomberg, die Region Ostwestfalen-Lippe und alle, die sich für die Geschichte und Zukunft unserer gebauten Umwelt interessieren.

Baugeschichte
Ein tiefer Einblick in die Baugeschichte von Friedrichstraße 6
Bauweise
Das Gebäude ist ein traufständiges, zweigeschossiges Fachwerkhaus in Geschossbauweise. Das Giebeldreieck über profilierten Balkenköpfen ist zweifach vorkragend und mit verbreiterter Firstspitze ausgeführt. Es handelt sich um ein Fachwerkhaus von neun Gebinden Länge, ursprünglich als Einfamilienhaus mit Wohnfläche im Erd- und Obergeschoss konzipiert.
Historische Bedeutung
Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz und ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Baukultur, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie der städtischen Entwicklung Blombergs.
Konservierung
Die Erhaltung und Restaurierung von Fachwerkhäusern erfordert spezialisiertes Wissen und traditionelle Handwerkstechniken.
Denkmäler in Blomberg
Ein Überblick über die bedeutenden Denkmäler und ihre historische Bedeutung
Die Stadtmauer und ihre Türme
Die mittelalterliche Stadtmauer von Blomberg, errichtet im 13. Jahrhundert, ist eines der bedeutendsten Denkmäler der Stadt. Mit einer Gesamtlänge von etwa 1,5 Kilometern umschließt sie die historische Altstadt und zeugt von der einstigen Bedeutung Blombergs als befestigte Stadt. Die Mauer wurde aus heimischem Sandstein errichtet und erreicht an manchen Stellen eine Höhe von bis zu acht Metern. Besonders beeindruckend sind die erhaltenen Wehrtürme, die in regelmäßigen Abständen in die Mauer integriert wurden. Der Pulverturm, der Hexenturm und der Schäfersturm sind die bekanntesten dieser Türme und dienten nicht nur der Verteidigung, sondern auch als Gefängnisse und Lagerräume.
Die Stadtmauer ist ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Wehrarchitektur und spiegelt die Entwicklung der Verteidigungstechnik wider. Die Integration von Schießscharten, Wehrgängen und Fallgattern zeigt die Raffinesse der damaligen Baumeister. Die Mauer wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verstärkt und modernisiert, was an den unterschiedlichen Mauertechniken und Materialien erkennbar ist. Heute dient sie nicht nur als historisches Zeugnis, sondern auch als wichtiger Bestandteil des Stadtbildes und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung.
Das Rathaus
Das Blomberger Rathaus, erbaut im 16. Jahrhundert, ist ein prächtiges Beispiel der Weserrenaissance-Architektur. Der zweigeschossige Fachwerkbau mit seinem charakteristischen Treppengiebel und den reich verzierten Schnitzereien ist ein Wahrzeichen der Stadt. Besonders bemerkenswert ist die prächtige Fassade mit ihren kunstvollen Schnitzereien, die Szenen aus der Stadtgeschichte und biblische Motive darstellen. Der große Ratsaal im Obergeschoss, der noch heute für repräsentative Zwecke genutzt wird, beeindruckt durch seine aufwändige Holzdecke und die historischen Wandmalereien.
Das Rathaus war nicht nur Verwaltungssitz, sondern auch Zentrum des städtischen Lebens. Hier wurden Märkte abgehalten, Feste gefeiert und wichtige Entscheidungen getroffen. Die Architektur des Gebäudes spiegelt den Wohlstand und das Selbstbewusstsein der Blomberger Bürgerschaft wider. Die Kombination aus Fachwerkbauweise und steinernen Elementen, die Verwendung von aufwändigen Schnitzereien und die Integration von Renaissance-Elementen machen das Rathaus zu einem einzigartigen Zeugnis der Baukunst des 16. Jahrhunderts.
Die Fachwerkhäuser der Altstadt
Die Blomberger Altstadt ist geprägt von einer Vielzahl historischer Fachwerkhäuser, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert errichtet wurden. Diese Gebäude zeugen von der handwerklichen Tradition und dem bürgerlichen Wohlstand der Stadt. Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der Fachwerkformen und -verzierungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten. Von den einfachen, funktionalen Bauten des 16. Jahrhunderts bis zu den prächtigen, reich verzierten Häusern des Barock und Rokoko spiegelt sich die Entwicklung der Baukunst wider.
Die Fachwerkhäuser sind nicht nur architektonische Denkmäler, sondern auch Zeugnisse der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Die unterschiedlichen Größen und Ausstattungen der Häuser zeigen die soziale Hierarchie der damaligen Zeit. Viele der Gebäude dienten sowohl als Wohn- als auch als Arbeitsstätte, was an den charakteristischen Toreinfahrten und den großen Fenstern im Erdgeschoss erkennbar ist. Die Erhaltung und Pflege dieser historischen Bausubstanz ist eine wichtige Aufgabe für die Denkmalpflege und trägt wesentlich zur Attraktivität der Altstadt bei.
Denkmalschutz und Erhaltung
Der Denkmalschutz in Blomberg hat eine lange Tradition und ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Bereits in den 1970er Jahren wurden erste Maßnahmen zum Schutz der historischen Bausubstanz ergriffen. Heute steht ein großer Teil der Altstadt unter Denkmalschutz, was die besondere Bedeutung des historischen Erbes unterstreicht. Die Denkmalpflege verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Erhaltung einzelner Gebäude als auch den Schutz des historischen Stadtgefüges umfasst.
Die Erhaltung der Denkmäler erfordert nicht nur fachliches Wissen und handwerkliches Können, sondern auch ein tiefes Verständnis für die historischen Zusammenhänge. Moderne Techniken und Materialien werden dabei mit traditionellen Handwerkstechniken kombiniert, um die Authentizität der Denkmäler zu bewahren. Die Denkmalpflege in Blomberg ist ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand, privaten Eigentümern und Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen.
Blomberg und die Friedrichstraße 6 im historischen Kontext
Die Stadt Blomberg, eingebettet in die malerische Landschaft Ostwestfalen-Lippes, blickt auf eine über 750-jährige Geschichte zurück. Ihre Gründung im Jahr 1250 durch den Edelherrn Bernhard III. zur Lippe markiert den Beginn einer bewegten Stadtentwicklung, die bis heute das Gesicht der Altstadt prägt. Die strategisch günstige Lage an der Kreuzung wichtiger Handelswege, die Nähe zur Weser und die fruchtbaren Böden der Umgebung begünstigten die Entwicklung zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Handelszentrum der Region.
Stadtentwicklung und Architektur
Die mittelalterliche Stadtplanung Blombergs folgt einem klaren, geometrischen Grundriss mit einem zentralen Marktplatz als Herzstück. Die regelmäßige Anlage der Straßen, die charakteristische Parzellierung und die einheitliche Bebauung mit Fachwerkhäusern zeugen von einer durchdachten Stadtplanung. Die Friedrichstraße 6, als Teil dieses historischen Stadtgefüges, spiegelt die typische Bauweise des 17. Jahrhunderts wider.
Kulturelles Erbe
Blombergs kulturelles Erbe ist reich an historischen Zeugnissen. Die Stadtmauer mit ihren Türmen, die gotische Stadtkirche St. Martin, das Rathaus und zahlreiche Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild. Die Friedrichstraße 6 ist Teil dieses kulturellen Erbes und trägt mit ihrer authentischen Bausubstanz und ihrer Geschichte zur Identität der Stadt bei.
Handwerk und Tradition
Das Blomberger Handwerk war bekannt für seine Qualität und Vielfalt. Besonders die Leinenweberei, die Töpferei und das Bauhandwerk prägten die Stadt. Die Fachwerkkonstruktion der Friedrichstraße 6 mit ihren charakteristischen Merkmalen zeugt von der hohen handwerklichen Kunst der damaligen Zeit.
Zukunftsperspektiven
Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung historischer Gebäude wie der Friedrichstraße 6 ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. Die Stadt hat sich mit ihrem integrierten Stadtentwicklungskonzept auf den Weg gemacht, die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig moderne Lebensqualität zu bieten.

Führungen
Für Forschungsanfragen und Führungstermine stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung
Kontaktinformationen
Adresse
Friedrichstraße 6, 32825 Blomberg
fachwerkhaus.blomberg@gmail.com
Führungstermine
Anfahrt
Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus befindet sich in zentraler Lage von Blomberg. Sie finden uns hier: